
Leseprobe - Modernity?

ROGER M. BUERGEL
Der Ursprung | The Origins
Es lohnt sich, dem Ursprung der documenta nachzugehen, denn nach einem näheren Blick auf ihre Anfänge verliert sich der ganze Ballast an Erwartungen und Projektionen, der auf dieser Ausstellung lastet wie ein Sack mit Wackersteinen. Nun sind Erwartungen und Projektionen, zumal gepaart mit Kunst, gewiss nichts Schlechtes. Sie deuten auf eine Erfahrungswelt, die mehr von uns einfordert als das, was wir schon sind oder zu sein meinen. Nur gehen Erwartungen und Projektionen leider auch allzu oft mit Missverständnissen einher. Missverständnisse, die der Begegnung mit Kunst hinderlich sein können.
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Der Ursprung | The Origins
Es lohnt sich, dem Ursprung der documenta nachzugehen, denn nach einem näheren Blick auf ihre Anfänge verliert sich der ganze Ballast an Erwartungen und Projektionen, der auf dieser Ausstellung lastet wie ein Sack mit Wackersteinen. Nun sind Erwartungen und Projektionen, zumal gepaart mit Kunst, gewiss nichts Schlechtes. Sie deuten auf eine Erfahrungswelt, die mehr von uns einfordert als das, was wir schon sind oder zu sein meinen. Nur gehen Erwartungen und Projektionen leider auch allzu oft mit Missverständnissen einher. Missverständnisse, die der Begegnung mit Kunst hinderlich sein können.
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UNCTAD III
Santiago de Chile, 06/1971-04/1972
In den späten 1960er und frühen 1970er Jahren entwickelte sich in Lateinamerika eine noch nie da gewesene Zusammenarbeit in Politik und Kultur. Die feste Überzeugung, dass ein tief greifender gesellschaftlicher Wandel unmittelbar bevorstand, gab den Anstoß zu verschiedenen radikalen Neuerungen. Man griff zu extremen und gelegentlich widersprüchlichen Verfahren, vom propagandistisch genutzten Siebdruck über die Gründung eines Museums als Gegengewicht zum amerikanischen Medienimperialismus bis hin zur Umsetzung von Architektur als kollektivem Projekt; verschiedene Arten der Annäherung an die utopische Vorstellung von Räumen „vom Volk für das Volk“.
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Santiago de Chile, 06/1971-04/1972
In den späten 1960er und frühen 1970er Jahren entwickelte sich in Lateinamerika eine noch nie da gewesene Zusammenarbeit in Politik und Kultur. Die feste Überzeugung, dass ein tief greifender gesellschaftlicher Wandel unmittelbar bevorstand, gab den Anstoß zu verschiedenen radikalen Neuerungen. Man griff zu extremen und gelegentlich widersprüchlichen Verfahren, vom propagandistisch genutzten Siebdruck über die Gründung eines Museums als Gegengewicht zum amerikanischen Medienimperialismus bis hin zur Umsetzung von Architektur als kollektivem Projekt; verschiedene Arten der Annäherung an die utopische Vorstellung von Räumen „vom Volk für das Volk“.
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TONI MARAINI
Schwarze Sonne der Erneuerung | Black Sun of Renewal
Das Magazin Souffles leistete in den 1960er Jahren einen wichtigen Beitrag zur modernen marokkanischen Kultur. Der Einfluss seiner literarischen, künstlerischen und kulturellen Produktion war enorm. Von Beginn an war es Anziehungspunkt für einige der besten jungen DichterInnen, KünstlerInnen und Intellektuellen. Souffles war mehr als ein Literaturmagazin, auch Kommentare zur soziokulturellen Lage, über Kino, Theater und Kunst sowie kritische Texte, Manifeste, Geschichtsessays wurden darin veröffentlicht. Und das Aufdecken der neokolonialen Ideologie bewirkte, dass das bis dahin stagnierende literarische und intellektuelle Leben in Bewegung kam.
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Schwarze Sonne der Erneuerung | Black Sun of Renewal
Das Magazin Souffles leistete in den 1960er Jahren einen wichtigen Beitrag zur modernen marokkanischen Kultur. Der Einfluss seiner literarischen, künstlerischen und kulturellen Produktion war enorm. Von Beginn an war es Anziehungspunkt für einige der besten jungen DichterInnen, KünstlerInnen und Intellektuellen. Souffles war mehr als ein Literaturmagazin, auch Kommentare zur soziokulturellen Lage, über Kino, Theater und Kunst sowie kritische Texte, Manifeste, Geschichtsessays wurden darin veröffentlicht. Und das Aufdecken der neokolonialen Ideologie bewirkte, dass das bis dahin stagnierende literarische und intellektuelle Leben in Bewegung kam.
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LEE LOZANO
Lee Lozano (1930-1999), die sich am Ende ihres Lebens nur noch „E2“ nannte, war eine der ästhetisch radikalsten Künstlerinnen der New Yorker Avantgarde der 1960er und frühen 1970er Jahre. In nur etwa zehn Jahren entstand das Œuvre dieser libertin denkenden Malerin und Konzeptkünstlerin. Es war von Themen wie Sexualität und Identität sowie den Prinzipien der Prozesshaftigkeit und Serialität bestimmt - und von einem großen Interesse an Fantasie und Träumen. „Seek the extremes“ (Suche die Extreme) war eines von Lozanos Lebensmottos, „that’s where all the action is“ (dort spielt sich alles ab).
Lee Lozano (1930-1999), die sich am Ende ihres Lebens nur noch „E2“ nannte, war eine der ästhetisch radikalsten Künstlerinnen der New Yorker Avantgarde der 1960er und frühen 1970er Jahre. In nur etwa zehn Jahren entstand das Œuvre dieser libertin denkenden Malerin und Konzeptkünstlerin. Es war von Themen wie Sexualität und Identität sowie den Prinzipien der Prozesshaftigkeit und Serialität bestimmt - und von einem großen Interesse an Fantasie und Träumen. „Seek the extremes“ (Suche die Extreme) war eines von Lozanos Lebensmottos, „that’s where all the action is“ (dort spielt sich alles ab).